Mittwoch, 14. Oktober 2015

Maßlos ohne Ende?



Klimawandel, Artensterben, Kriege um Rohstoffe, Wasser und fruchtbares Land, Flüchtlingselend. So kann es nicht weitergehen, und das dürfte immer mehr Menschen klar sein. Seit langem leben wir über unsere Verhältnisse: Wo mehrere Erden benötigt würden, um den etablierten oder angestrebten Lebensstil seiner Bewohner zu ermöglichen, kann etwas einfach nicht stimmen. Alle ökologischen und humanitären Probleme und Katastrophen stellen sich auf einmal ein, hängen miteinander zusammen und mit der Art, wie wir leben und wirtschaften.
Den meisten von uns ist all dies bewußt, schließlich gibt es „schlechte“ Nachrichten, und doch wollen wir davon erstaunlich wenig wissen. Vielleicht kommt ja alles gar nicht so schlimm, wie von den Experten angenommen, so mögen wir denken und dabei noch einmal Vollgas geben. Man könnte es so sehen: Für unser auf Bequemlichkeit ausgerichtetes Beharrungsvermögen gibt es nur zwei schlechte Botschaften. Dass unser Lebensstil – auch der des statistischen Normalverbrauchers –  maßlos ist, lautet die erste. Dass wir den Gang der Dinge beeinflussen können, die zweite. Folgt aus unserer Fähigkeit zur Veränderung nicht eine Verpflichtung, an ihr mitzuwirken?
Psychologen und Neurobiologen können uns erklären, weshalb wir so gerne an liebgewordenen Vorstellungen festhalten und Veränderungen scheuen. Und spätestens, wenn wir diese aufgeklärte Sichtweise übernommen haben, lassen wir die Würfel fallen, Inschallah. Wäre es nicht allzu albern, gegen unsere primitive Natur handeln zu wollen? Man denke nur an die Experimente, die nachgewiesen haben wollen, dass unser Selbstbewusstsein gar nicht existiere und ein freier Wille nur eine perfekte Täuschung sei.
Wissenschaftlich lässt sich unser Handlungsspielraum nicht a priori beurteilen. Auf der Hand liegt jedoch, dass es auf absolute, abstrakte Freiheit gar nicht ankommt. Jeder weiß, dass er auf Handlungen verzichten kann, auch wenn das unterschiedlich schwerfällt. Es liegt nahe, im Sportwagen kräftig auf das Gaspedal zu treten. Aber ein Auto, das hier nur als Symbol für Umweltschädliches aller Art steht, sich anzuschaffen, sobald man es sich nur irgendwie leisten kann, das erfordert schon eine Abwägung von Kosten und Nutzen. In ökologischer Hinsicht und angesichts aller im fertigen Konsumprodukt verborgenen Ressourcen und Schadenspotenziale fällt die fast immer negativ aus, auch wenn die Werbung – selbst mit grüner Einfärbung – uns anderes verkaufen möchte.
Umweltprobleme sind Mengenprobleme, und so summieren sich die vielen unvernünftigen Handlungen und die Unmengen nicht nachhaltig produzierter Waren aller Gattungen am Ende zu globalen Risiken mit schließlich katastrophalen Folgen. Genau hier kann und sollte sich unsere Einstellung ändern. Brauchen wir wirklich all die Dinge in all den Mengen? Statt dem schlechtesten Verhalten nachzueifern, könnten wir uns für vorbildliches interessieren. Irgendwann wird es uns gelingen, die neuen Vorbilder zu imitieren, phantasievoll weiterzuentwickeln und mit anderen gemeinsam andere, vernünftige Wege zu gehen. Vorausschauend selbst handeln, ist viel besser als resignativ-zufrieden auf die Politik zu warten, die sich gern damit herausredet, dass sie auf uns wartet.
Da wir uns als wachsende Menschheit nur einen einzigen Lebensraum teilen, müssen wir bei jeder unserer Konsumhandlungen neu Maß nehmen. Und wer weiß, vielleicht macht uns das eines Tages zufriedener als das Immer-weiter-so in der konsumistischen Tretmühle, die alles zu bieten hat, außer der Glückseligkeit, die sie verheißt. Schließlich gilt für unsere persönlichen Ressourcen dasselbe wie für die globalen: beide sind kostbar und begrenzt.

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