Über Geld spricht man nicht – was wer womit verdient und was er mit seinem Geld anfängt, das ist für die meisten Menschen ein Tabuthema. Die Diskretion in Gelddingen hält solange, bis der Neid etwa über die, die mehr verdienen als wir, oder der Ärger über die immer als zu hoch empfundene Steuerlast unsere wahren Gefühle, Interessen und Einstellungen offenbaren. In der Philosophischen Praxis reden wir ganz offen über Geld, doch dabei interessieren uns nicht Summen oder Beträge sondern die Einstellung, die wir gegenüber Geld haben. Wie wichtig ist Geld für Sie? Welche Vorstellungen verbinden Sie damit? Geld mache unabhängig, sagen viele Menschen, doch wie steht es um unsere Abhängigkeit vom Geld? Beruflicher Aufstieg, Einkommen, Status und Macht – unser auf Profitmaximierung ausgerichtetes System bindet dies zusammen. Was bedeutet dieser Nexus für Sie?
„Am Anfang meiner beruflichen Laufbahn habe ich mich total für das interessiert, was ich tun sollte, ich dachte mit Freude daran, einen Job zu tun, der meinen Fähigkeiten entsprach, wo ich mich beweisen und etwas bewegen konnte. Heute fürchte ich mich davor, diese Begeisterung zu verlieren und irgendwann nur noch aufs Geld zu schauen .“ Als Philosophischer Gesprächsberater höre ich so etwas häufig, und ich versuche mit meinen Klienten herauszufinden, ob es notwendigerweise so weit kommen muss. Wie können wird uns vor Abstumpfung, Resignation oder Zynismus retten? Eine Frage, die heute angesichts zunehmender Ungleichverteilung und der permanenten Finanzkrise aktueller denn je erscheint. Ganz im Ernst: Welchen Preis würden Sie dafür zahlen, um noch mehr verdienen zu können? Was würden Sie dafür aufgeben?
Viele Menschen können sich nicht vorstellen, auf Karrierechancen zu verzichten. Was könnten Sie dadurch gewinnen? Wenn Ihr Arbeitgeber nicht von Ihnen fordert, dass Sie den nächsten Schritt nach oben machen, wie wäre es mit einer horizontalen Veränderung? Vielleicht bieten sich so neue Perspektiven und die Chance auf mehr oder wenigstens nicht noch weniger Zeit fürs Private? Von der Work-Life-Balance ist viel die Rede, doch entscheiden wir uns aus „finanziellen Gründen“ nicht viel zu oft für mehr Einkommen und viel mehr Arbeit, mehr Anpassung?
Geld und Moral, das ist eines der heikelsten Themen. Rechtfertigt der Wunsch oder Zweck, möglichst viel Geld zu verdienen, wirklich alle Mittel? Welche Prinzipien und Wünsche opfern Sie dem Geld? Wer sein Geld auf moralisch nicht zu beanstandende Weise verdient, kann mit seinem persönlichen Anteil am gesellschaftlichen Reichtum, dieser Gesellschaft auch etwas zurückgeben, etwas Gutes tun. Blinder Egoismus und Gier, dieser Auffassung ist wohl die Mehrheit der Philosophen, muss notwendig unglücklich machen; schließlich wäre eine Welt die nur aus geldfixierten und geldsüchtigen Individuen bestünde, auf substanzielle Weise arm und trostlos. Ein bewusster Umgang mit dem Tabuthema Geld kann uns alle davor bewahren.
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Freitag, 9. November 2018
Let's talk about money!
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Mittwoch, 14. Oktober 2015
Rettet Europa!
Wenn Gefahr droht, sind bekanntlich weder Panik noch Wegschauen sinnvoll. Die Europäische Gemeinschaft steht vor der größten Krise seit ihrer Gründung, und es stellt sich die Frage, ob wir das achselzuckend hinnehmen wollen.
So sieht Europa in diesen Tagen aus: Nord gegen Süd und Ost gegen West. Nationalisten gegen Föderale. Oben gegen unten, reich gegen arm. Unter dem Druck der Finanzmärkte ist das Vertrauen in Regierungen und in den Euro weitgehend dahingeschmolzen. Nationalismus und Stacheldraht haben Konjunktur. Die Europäische Gemeinschaft zeigt wenig Gemeinschaftssinn und Menschlichkeit, und das nicht nur seit der "Flüchtlingskrise". Sie ist vor unseren Augen dabei zu zerbrechen. Rette sich, wer kann. Fragt sich, wohin?
Für Europa geht niemand auf die Straße. Die große Mehrzahl seiner Bürger straft die Gemeinschaft mit Gleichgültigkeit oder Verachtung – als ob es nur um Gurkenkrümmungswinkel und die unberechtigten Subventionen der anderen ginge und nicht um die Gefahren des Rückfalls in den Wahnsinn nationalstaatlicher Rivalität. Glauben wir tatsächlich, dass sich nur irgendeine der Herausforderungen der Gegenwart durch Nostalgie und Eigensinn besser meistern ließe als durch die Solidarität und die Zusammenarbeit der Menschen über alle Grenzen hinweg?
Vieles steht jetzt auf dem Spiel. Nicht nur der gemeinsame Markt für Waren, Dienstleistungen und Kapital, der Erfolg eines selbsterklärten Global Players, der Nummer drei der wirtschaftlichen Machtzentren der Welt. Europa ist auch der Sitz des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und des Internationalen Strafgerichtshofs. Hier bekennt man sich, wenn auch oft halbherzig, zu Bürger- und Menschenrechten. Menschen in aller Welt, die sich nach Freiheit und Wohlstand sehnen, schauen neidvoll in unsere Richtung - und können unseren Gleichmut kaum fassen.
Nationaler Egoismus, auch im Namen stabilitäts- oder fiskalpolitischer Prinzipien und auf dem Rücken der Armen und Vertriebenen ausgeübt, wird Europa sicher nicht helfen, im Gegenteil. Gegenseitiger Respekt, Dialog und vor allem auch die Bereitschaft zu solidarischem Handeln sind gefragt. Und wenn sich zeigen sollte, dass die Europäische Gemeinschaft auf gesellschaftlicher Ebene noch gar nicht existiert - warum sollten wir sie jetzt als ihre Bürger nicht gründen?
So sieht Europa in diesen Tagen aus: Nord gegen Süd und Ost gegen West. Nationalisten gegen Föderale. Oben gegen unten, reich gegen arm. Unter dem Druck der Finanzmärkte ist das Vertrauen in Regierungen und in den Euro weitgehend dahingeschmolzen. Nationalismus und Stacheldraht haben Konjunktur. Die Europäische Gemeinschaft zeigt wenig Gemeinschaftssinn und Menschlichkeit, und das nicht nur seit der "Flüchtlingskrise". Sie ist vor unseren Augen dabei zu zerbrechen. Rette sich, wer kann. Fragt sich, wohin?
Für Europa geht niemand auf die Straße. Die große Mehrzahl seiner Bürger straft die Gemeinschaft mit Gleichgültigkeit oder Verachtung – als ob es nur um Gurkenkrümmungswinkel und die unberechtigten Subventionen der anderen ginge und nicht um die Gefahren des Rückfalls in den Wahnsinn nationalstaatlicher Rivalität. Glauben wir tatsächlich, dass sich nur irgendeine der Herausforderungen der Gegenwart durch Nostalgie und Eigensinn besser meistern ließe als durch die Solidarität und die Zusammenarbeit der Menschen über alle Grenzen hinweg?
Vieles steht jetzt auf dem Spiel. Nicht nur der gemeinsame Markt für Waren, Dienstleistungen und Kapital, der Erfolg eines selbsterklärten Global Players, der Nummer drei der wirtschaftlichen Machtzentren der Welt. Europa ist auch der Sitz des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und des Internationalen Strafgerichtshofs. Hier bekennt man sich, wenn auch oft halbherzig, zu Bürger- und Menschenrechten. Menschen in aller Welt, die sich nach Freiheit und Wohlstand sehnen, schauen neidvoll in unsere Richtung - und können unseren Gleichmut kaum fassen.
Nationaler Egoismus, auch im Namen stabilitäts- oder fiskalpolitischer Prinzipien und auf dem Rücken der Armen und Vertriebenen ausgeübt, wird Europa sicher nicht helfen, im Gegenteil. Gegenseitiger Respekt, Dialog und vor allem auch die Bereitschaft zu solidarischem Handeln sind gefragt. Und wenn sich zeigen sollte, dass die Europäische Gemeinschaft auf gesellschaftlicher Ebene noch gar nicht existiert - warum sollten wir sie jetzt als ihre Bürger nicht gründen?
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