In
einfachen Aussagen steckt oft viel Rätselhaftes. „Ich kann nicht“, ist so eine.
Was meint, wer so etwas sagt? Natürlich hängt es von der Frage ab, auf die das
behauptete Nichtkönnen antwortet.
Dass Nichtkönnen durch Nichtwollen zu ersetzen sei, gehört dennoch zu den Grundannahmen vieler Coaches und Mentaltrainer. Angesichts der kaum bestreitbaren Existenz von Dingen, die man beim besten willen nicht kann oder auch nicht können soll, weshalb man sinnvollerweise auf die Ausübung verzichtet, ist dieses Mantra zunächst erstaunlich.
Dass Nichtkönnen durch Nichtwollen zu ersetzen sei, gehört dennoch zu den Grundannahmen vieler Coaches und Mentaltrainer. Angesichts der kaum bestreitbaren Existenz von Dingen, die man beim besten willen nicht kann oder auch nicht können soll, weshalb man sinnvollerweise auf die Ausübung verzichtet, ist dieses Mantra zunächst erstaunlich.
Was
ist also dran an der modernen, vielleicht auch nur modischen Skepsis gegenüber
dem Nichtkönnen? Motiviert wird sie häufig schon durch widersprüchliches
Wünschen und Verhalten oder durch den Verdacht, dass jemand lieber mit
verborgenen Karten spielt. Taktische Ausreden, besonders die oft vorgebrachten
Sachzwänge, kennt schließlich jeder von uns. Interessanter noch ist die Entlarvung
unnötiger Selbstbeschränkung: Eigentlich können und wollen wir schon, aber
irgendetwas hindert uns daran, es wenigstens zu versuchen. Dieses Etwas ist uns
manchmal nicht bewusst oder wir wollen davon nichts wissen; eine
Herausforderung für die allseits geforderte Selbstoptimierung, der es darum
geht, mehr aus sich selbst und seinem Leben zu machen.
Handlungsoptionen
sind seit jeher auch Thema der Philosophie. Anders als die Psychologie interessiert
sie sich jedoch weniger für individuelle Motive als für die Erkenntnis dessen,
was allen Menschen möglich ist und für das Ziel, ein gelingendes Leben zu
führen, auch sein muss. Selbst lebensnahe Denkschulen wie der Stoizismus mit
seiner bekannten Forderung, das zu erkennen und auszuhalten, was nicht zu
ändern ist und das zu ändern, was geändert werden muss, gehen aufs Allgemeine
und Grundsätzliche.
Wichtig sind solche Reflexionen für die ethische Theorie, die uns moralische Ansprüche an unser Wollen und Handeln nachvollziehbar begründen soll. Eine Erkenntnis daraus: Niemand soll zu Unmöglichem gezwungen werden. Bleibt offen, wozu wir uns in der Lage erklären oder vielleicht sogar verpflichten sollen. Immer nicht zu können, damit ließe sich ein kategorischer Imperativ jedenfalls nicht vereinbaren, nur um den Preis allgemeiner Untätigkeit und mithin einer gänzlich unfreien Gesellschaft ließe sich solch eine Maxime verallgemeinern.
Wichtig sind solche Reflexionen für die ethische Theorie, die uns moralische Ansprüche an unser Wollen und Handeln nachvollziehbar begründen soll. Eine Erkenntnis daraus: Niemand soll zu Unmöglichem gezwungen werden. Bleibt offen, wozu wir uns in der Lage erklären oder vielleicht sogar verpflichten sollen. Immer nicht zu können, damit ließe sich ein kategorischer Imperativ jedenfalls nicht vereinbaren, nur um den Preis allgemeiner Untätigkeit und mithin einer gänzlich unfreien Gesellschaft ließe sich solch eine Maxime verallgemeinern.
Wer
nie „etwas kann“, versäumt viel und gerät ins Abseits. Dennoch erscheint die
Can-Do-Attitude mancher Coaches und Trainer mit ihrem „geht nicht gibt’s nicht“
eindimensional. Dabei ist es auffällig-paradox, dass das Individuum eine
phantastische Aufrüstung der ihm zugeschriebenen Freiheit und
Verantwortlichkeit gerade jetzt erfährt, wo seine Handlungsspielräume durch die
Systemwelt mit ihren Zwängen und subtilen Manipulationsmöglichkeiten derart
eingeschränkt erscheinen. Entfremdung wurde das früher genannt. Reicht es den
modernen Glücksoptimierern, dass ein jeder für sich danach strebt, ein
erfolgreiches, allgemeines Leben zu führen und sich für alles andere
unzuständig zu erklären?
Einseitig
und damit falsch wirkt auch die Aufklärung über die biologische
Determiniertheit des Menschen, die unser Verhalten von evolutionsbedingten
Erfolgsstrategien unserer Gene ableitet und sich dabei auf wissenschaftliche
Erkenntnisse beruft. Wären Forschungsergebnisse nicht bekanntermaßen stets
vorläufig und deren Deutung ideologiefrei und unproblematisch – der biologische
Determinismus würde allen notorischen Nichtkönnern Recht geben und sie zu den
wahren und einzigen Realisten machen. Illusionslos müssten sie abnicken, was
ihnen vorgesetzt wird.
Was
bleibt? Vielleicht nur die Erkenntnis, dass wir jederzeit selbst bestimmen
sollten, wozu wir persönlich bereit und in der Lage sind. Um uns selbst über
unsere wahren Möglichkeiten zu vergewissern und andere mit ihrem Interesse an
uns ernst zu nehmen, hilft am Ende nur eines: Neues ausprobieren und den Mut
haben zu bekennen, wenn wir etwas zwar wohl versuchen könnten, es aber einfach
nicht wollen. Und dann gibt es ja auch noch das „ich muss“. Noch so eine
rätselhafte Aussage.
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